31. Dezember 2006

Jahresauslauf


Wir machen das erst zum dritten oder vierten Mal, diesmal aber so richtig gern und vielleicht am letzten Tag des Jahres auch einfach in besonderer Stimmung, B und ich: wir laufen zusammen ums Kerstlingeröder Feld. Glücklich abgepasst zwischen zwei Schauern, kurz vor Einsetzen der Dämmerung. Eine große ruhige Runde durch eine beglückend natürlich wirkende Landschaft, die dank ehemaligem Bundeswehrübungsgelände völlig unzersiedelt und landwirtschaftlich fast völlig ungenutzt ist. Von ein paar andern Joggern abgesehen sind wir allein in der melancholischen Herbststimmung, die eigentlich Winter sein sollte und in der einem eigentlich ein paar Jahresrückschaugedanken kommen sollten.
Was kommt, ist einzig das Gefühl, daß alles so angenehm leicht sein kann, wenn ich es zulasse, wenn ich mitmache, wenn ich mich hineinfallen lasse.
Der Gedanke hat sich in den letzten Tagen herausgebildet und er ist das, was ich einfach gern mitnehmen und weitergeben möchte, vom alten ins neue Jahr und von mir zu dir.
Die Leichtigkeit im Leben entdecken. Das wünsch ich mir.

28. Dezember 2006

1 Tag Winter

Gestern schien die Sonne und es war 1 mal richtig kalt. -5° am Morgen. Boah.
In der Stadt gab es jedoch keine Gelegenheit zu frieren. Soviele Menschen waren unterwegs wie selbst an den härtesten Tagen vor Weihnachten nicht. Unglaublich.
Heute ist alles wieder normal. Der Himmel dunkelgrau, die Luft feucht und irgendwo zwishen +2° und +5° und die Menschenmassen sind wieder auf ein Normalmaß geschrumpft.
Nur dieser Weihnachtsmarkt, warum der immer noch da ist, warum der nicht – wie früher selbstverständlich – am 23.12. seine Pforten dicht macht und die Stände abbaut, das will mir nicht in den Kopf. Nur soviel ist sonnenklar: die respektlose Marktverlängerung (Beginn ist ja schon weit vor dem 1. Advent) sorgt mit der Verlängerung bis kurz vor Sylvester dafür, daß der Weihnachtsmarkt letztlich zu einer beliebigen Kirmes mutiert. Was aber natürlich voll ins Bild paßt: ins Bild der völlig gleichgeschalteten austauschbaren Innenstädte in Euroland. Setzen Sie mich irgendwo in einer Fußgängerzone aus und ich weiß garantiert nicht, wo ich bin.

24. Dezember 2006

Die Stille an Heilig Morgen


Schon vor halb sieben bin ich wach und sofort munter. Gern und wie aus heiterem Himmel erwartungsfroh stehe ich auf, mache mich startklar und laufe los. Es ist kühl wie lange nicht, gerade mal noch 0°, das Licht der Straßenlampen bildet feine Höfe in allerfeinstem Frühnebel. Die Autos schlafen noch fast alle. Auf den sonst befahrensten und gefährlichsten Kreuzungen leuchten nur die Ampeln und zu hören sind nur die Rotkehlchen heute. Nichts sonst. Die Gedanken wehen herein, fließen hindurch und sickern hinter meinen Sohlen in die Ritzen zwischen den Fußwegplatten. Es ist gut. Vom Wall aus hat der Himmel eine seltene rötliche, fast lilane Tönung. Ein Jogger mit dicker Mütze begegnet mir, erwidert meinen Gruß nicht.
Diese Läufe an den Ausnahmeterminen sind mit Abstand die schönsten. So beginnt Whynachten mit Besinnung, mit Hineinhorchen und mit einem richtig guten Gefühl.

Das Bild zum Tage habe ich gestern Abend beim Archiv-Durchforsten entdeckt. Man sieht dort die Göttinger Wäscherei Schneeweiß, von der mittlerweile nur noch das Skelett des Turms steht. Der Schornstein ist schon vor einigen Jahren abgerissen worden und die anderen Gebäude sind seit Herbst 2005 unendlich allmählich Stein für Stein abgetragen worden. Wenn dieser endlos wirkende Sterbeprozeß abgeschlossen ist, sollen auf dem Gelände neue Wohngebäude entstehen, die zumindest von ihrer Lage her einmalig schön sein könnten.
Die Entdeckung dieses Bildes und einiger anderer (eine Serie zum Thema) hat mich sehr gefreut. Es geht so eine seltsame Hoffnung davon aus, so eine paradoxe. So nach dem Motto: das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen.
Nicht allein, indem ich es in Bildern konserviere, sondern indem ich darüber nachdenke und darüber schreibe, weist es auch in die Zukunft.

Frohes Fest!

21. Dezember 2006

der dunkelste Tag

Morgens erlischt die Straßenbeleuchtung erst um viertel nach acht. Wirklich hell wird es überhaupt nicht. Um Mittag rum fahren noch immer – oder schon wieder? – die meisten Autos mit Licht. Das Zwielichtige schlägt ebenso auf die Seele. Man fühlt sich bedrückt.
Gestern Nachmittag, als ich der dritten Whynachzfeier dieser Woche beiwohnte, begann es mit einer umfassenden ultrafeinen Volldurchnässung von allem. Es regnete nicht. Es nieselte nicht. Nebel war es auch nicht. Es war, als würde man überhaupt unter Wasser fahren. Fahrrad wohlgemerkt.
Heute ist die Talsohle erreicht, von nun an wird es sehr sehr allmählich wieder heller werden. Auch kälter, hoffentlich. Zumindest ist es einfach mal langsam dringend nötig, daß hier so etwas wie Winter einkehrt, daß es mal Frost gibt. Sonst können wir uns bald vor lästigen Viechern wie Mücken und Zecken nicht mehr retten.
Heute Morgen haben nicht nur Rotkehlchen, Zaunkönig und Amsel gesungen, sondern auch die Spatzen waren eifrig am Schwatzen und Kohlmeisen übten sich im Frühjahrsläuten. Das Göttinger Tageblatt behauptet, noch würden Flora und Fauna nicht unter dem wärmsten Herbst seit Beginn der Wetteraufzeichnung leiden. Woher die das immer wissen!
Das Vorwhynachz-Feeling war selten so wenig ausgeprägt wie diesmal, passend dazu jagt eine Whynachzfeier die nächste (siehe oben).
Die Abende verbringt man mit dem Vorbereiten der Geschenke, dem endlosen Einpacken, und findet nicht ins Bett. Obwohl die Müdigkeit schon nachgerade schmerzt. Und am Sonntag, dem highligen Abende, werde die lieben Kleinen die Geschenke in Nullkommanix aus der Verpackung gerissen und mit einem Oh oder bestenfalls einem Ach quittiert und beiseite gelegt haben. Alle Jahre wieder. Olé olé oje.
Der eigene Versuch, irgendwie geartete alternative Whynachzformen auszuprobieren, ist einmal mehr irgendwo auf der Strecke geblieben (u.a. wegen Zeitmangel z.B. wg. Geschenkekaufen), so bleibt alles, wie es immer war. Und nächsten Mittwoch wird man dann wahrscheinlich froh sein wieder arbeiten gehen zu können und die aufgrund von Lagerkoller eher stickige Besinnlichkeit hinter sich lassen zu dürfen.

16. Dezember 2006

Whynachzfeier der Musikklassen


Eine der vielen Whynachzfeiern also. Neben denen von den Sportvereinen, dem Kindergarten, dem Zirkus, jeder einzelnen Schulklasse und der Abteilung in der Firma. Hier aber eine ganz besondere.
Hier eine große, bald zwei Stunden dauernde Aufführung aller Musikklassen der IGS Göttingen: drei große Bläsergruppen, zwei Chöre, eine Bluesband und zwei Gitarrenduos, davon eins sogar mit Gesang – etwa 130 musizierende und singende Kinder zwischen 10 und 14 Jahren. Beeindruckend organisiert und sehr nett moderiert und vorgetragen. Begeisterung und Spaß der Kinder am musikalischen Spiel reißen die zuschauenden Eltern, Geschwister, Omas und Opas voll mit.
Etwas mehr Rücksicht und Disziplin der knipswütigen Eltern wäre irgendwie nett. Es reicht, daß der Schulphotograph ständig überall vor den Interpreten steht, so daß er sie zwar prima knipsen, niemand anders aber sie mehr sehen kann. Und wenn ein Chor singt, muß man nicht unbedingt so laut mitklatschen, daß die Stimmen nicht mehr zu hören sind. Das ist dann schade. Schließlich ist man ja nicht beim Blauen Bock.

15. Dezember 2006

Jungs und Computersucht

Ein Professor klärt auf. Beim Vortrag in der Schule weist er darauf hin, daß die Anfälligkeit für Computersucht am Fehlen von Aufgaben im realen Leben liegt. Die Kinder, Jugendlichen und letztlich auch Erwachsenen finden in der Realität nicht genug Vorbilder, die als solche wirklich taugen. Sie finden keine Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen, an reizvollen Aufgaben über sich hinaus zu wachsen und dafür die so dringend gewünschte Anerkennung zu bekommen.
Und darum spielen sie Autorennen, Adventure- und Ballerspiele.
Und weil Jungs aufgrund des Y-Chromosoms sowieso schon quasi behindert zur Welt kommen, sind sie dafür noch viel anfälliger als Mädchen.

Ich höre mir das an, finde mich in der einen oder anderen Aussage durchaus wieder, stimme zu, nur um aber das Fazit eher entsetzlich zu finden.
Wenn der Mann tatsächlich das Fehlen von Vorbildern für die heutigen Jungs beklagt, dann frag ich mich sehr besorgt, welche Vorbilder denn “früher” geeignet waren, um die Entwicklung der Jungs zu befördern und zu stabilisieren.
Das ganze Thema finde ich viel zu heikel, um es mit solch letztlich vordergründigen Erklärungen handhabbar zu machen. Natürlich hätte man gern Beruhigung. Daß der eigene Junge “sowas” nicht macht, daß man(n) selbst vielleicht doch positives Vorbild sei. Und weiß doch tief im Innern, daß es darum nicht gehen kann.
Das tiefgreifende gesellschaftliche Grundübel: die zu groß geratenen Organisationseinheiten (was früher mal die dörfliche Struktur war, ist heute Europa oder eben noch schlimmer: das Internet!), das trage zur allgemeinen Verunsicherung bei, da müsse man gegensteuern, durch Wiederbelebung kleinerer Einheiten.
Graswurzelrevolution? Eine angesichts zunehmender Verstädterung und Verslummung der Welt geradezu niedliche Vorstellung.

Es ist sicher so, daß man durch die Möglichkeit der Flucht in die virtuellen Welten eher geneigt ist, die Konflikte der realen Umgebung zu meiden. Ganz sicher darf man Jungs in der Pubertät in dieser Situation nicht einfach allein lassen, sie abdriften lassen in künstliche Wirklichkeiten. Andererseits scheint ja auch gerade unsere angestrengte Behütung der Jugend, das allumfassende Gutmeinen von Eltern und Schulpädagogik, den Jugendlichen das Sammeln von Erfahrungen, die auch mal unangenehm sein können, zu erschweren.
Und ist es mit Mädchen nicht genau dasselbe? Vielleicht verfallen die nicht ganz so häufig Ballerspielen, dafür hängen sie in Chatrooms fest und bloggen ihre Beziehungsprobleme rauf und runter.
Wo heute gechattet und gesimst wird, wurde früher telefoniert. Das war noch etwas direkter und persönlicher, aber wesentlich beziehungsfähiger waren wir deshalb auch nicht.
Erinnert sich noch jemand an den Neuen Sozialisationstyp, über den Anfang der Achtziger gelästert wurde, den damals als neu empfundenen Narzißmus der Jugendlichen? Auch da ging es schon um Beziehungsunfähigkeit und übermäßiges Kontrollbedürfnis.
Dem sogenannten Oralen Flipper fehlten da auch schon die “wirklichen Aufgaben”.

Und noch früher? Wurde noch weniger kommuniziert, wurde nur unter Moral und Ideologie verpackt, was einen ganz woanders bewegte, hatten Kirche und Staat die Finger drauf. Da wurde sublimiert. Das Resultat waren Glaubenskriege oder Nationalismus. Wirklich prima Gelegenheiten für junge Männer, über sich hinauszuwachsen und relevante Aufgaben in und für die Gesellschaft zu finden. Na danke!

Und heute? Wir? Hier?

Man kann sich sicher darüber aufregen, wieviel Geld der Telekommunikationsindustrie in den Rachen geworfen wird, auf welch perfide Weise und wie ungeniert sie Jugendliche ausbeutet und in die Verarmung treibt. Was aber doch auch nur funktioniert, wenn wir das mitmachen. Wenn Eltern ausgerechnet da, wo es auf ihre Betreuung ankäme, einen Rückzieher machen, Kontrolle delegieren an Wirtschaftsunternehmen, die nicht das Beste für sondern nur von ihren Kindern wollen.
Es ist aber durchaus möglich, mit den eigenen Kindern über den Gebrauch der aktuellen Medien zu reden. Genauso wie es hierzulande jedem Menschen möglich ist, seine eigene Situation kritisch zu überdenken und sein Leben gegebenfalls zu ändern.
Jeden Tag neu.

12. Dezember 2006

Musik-Tipp

Gerade in Göttingen gewesen und natürlich verpasst, aber durch GT-Artikel neugierig geworden auf Die Kleingeldprinzessin.
Und neulich zufällig life auf dem Alex erlebt und spontan gemocht: by heart (demnächst auch mit Photos).

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